50 ASA
Die früh einsetzende Sommerhitze spiegelt sich auch in der Diskussion um den neuen Schwarzweißfilm von Leica wider: Ab Ende August wird der Leica MONOPAN50 offiziell erhältlich sein – ein Kleinbildfilm mit superpanchromatischer Sensibilisierung und ultrafeinem Korn. Kein anderer Film polarisiert die analoge Fotogemeinschaft derzeit stärker: Influencer äußern sich überwiegend sehr positiv, und auch deutschsprachige Magazine feiern das Produkt als gelungene Neuentwicklung. Im folgenden Text beschäftigen wir uns mit dem Adox HR-50, um uns ein differenziertes Bild zu verschaffen und evtl. Parallelen zum Leica Film zu entdecken.
Tatsächlich bietet der Leica MONOPAN50 eine sehr hohe Auflösung, einen markant hohen Kontrast (je nach Geschmack) und eine geringe Empfindlichkeit. Letztere ermöglicht es Leica-Fotografen, lichtstarke Objektive wie das Noctilux bei Offenblende auch bei Tageslicht auszureizen – soweit ein Vorteil, der viele Nutzer anspricht.
Die Idee, Käufer einer analogen Leica M im Store unmittelbar mit einem passenden Film zu versorgen, ist grundsätzlich positiv zu sehen. Der „Mitnahmeeffekt“ stärkt die Markenbindung und unterstreicht Leicas Engagement für die analoge Fotografie.
Equipment für den nachfolgenden Test: Leica M6 und Summicron 35.
Herkunft des Films
In Fachartikeln und Forendiskussionen wird vermutet, dass der Leica MONOPAN 50 auf einer bereits existierenden Luftbild-Emulsion wie dem Agfa Aviphot Pan 80 basiert oder eine enge Verwandtschaft zum Adox HR-50 aufweist; gesicherte Herstellerangaben liegen hierzu bislang nicht vor.[1]
Unsere folgenden Einschätzungen beruhen auf eigenen Tests des Adox HR-50 und gelten ausschließlich für unseren hausinternen Prozess. Allgemeingültige Rückschlüsse lassen sich daraus nicht ziehen.
Vergleich der spektralen Empfindlichkeit
Im Rahmen unserer Untersuchungen haben wir die spektrale Empfindlichkeit folgender Filme anhand der verfügbaren technischen Daten verglichen:
Wir verzichten an dieser Stelle auf eine direkte Bewertung der Kurvenverläufe, überlassen diese aber dem technisch interessierten Leser zur eigenen Einschätzung.
Unsere Laborergebnisse
Alle bei MeinFilmLab angebotenen Filme werden systematisch getestet. Bis 2020 nutzten wir Kodak XTOL, mittlerweile verwenden wir eine angepasste Entwicklerlösung von Moersch, die sich in Wirkung, Handhabung und Auflösung bewährt hat. Damit erreichen wir bei allen Markenfilmen ein Optimum in Filmempfindlichkeit, Auflösung und Körnung.
Die auf der Filmpackung angegebene Empfindlichkeit (ISO-Wert) stimmt erfahrungsgemäß selten mit den realen Resultaten unter Laborbedingungen überein – abhängig von Entwicklertyp, Belichtungszeit, Kipprhythmus und sonstigen Prozessparametern. Deshalb erstellen wir für jeden Film jährlich eine Schwärzungskurve, auf deren Basis wir die tatsächliche Empfindlichkeit und Dichte bestimmen. Diese Daten bilden die Grundlage für unsere Entwicklungsempfehlungen und sorgen für maximale Qualität in Scan und Print.
Im Juni und Juli haben wir sowohl Adox HR-50 als auch selbst konfektioniertes Agfa-Material getestet. Die Schwärzungskurven dieser beiden Filme stimmen nahezu überein. Leichte Unterschiede – im Zehntelbereich – legen nahe, dass es sich um dieselbe oder eine sehr ähnliche Emulsion handelt. Emulsionsabweichungen zwischen Produktionschargen sind normal und zu erwarten.
Links: APX (Kentmere (Iford/Harman)). Rechts: Adox HR50
Bild: Vergleich Normkurve und gemessene Kurve.
Einschränkungen des Aviphot-Materials
Seit Jahren beobachten wir bei Filmen dieser Emulsionsklasse wiederkehrende Probleme, die sich in unserem Laborprozess nicht zufriedenstellend beheben lassen. Dazu zählen:
1. Punktuelle weiße Flecken, sichtbar bei 100%-Ansicht im Scan – keine Staubartefakte
2. Sehr hohe Kontraste, die eine saubere, lineare Schwärzungskurve erschweren
3. Nur im dunklen Schatten in die Kamera einlegbar, da sonst Licht nach innen geleitet wird und erste Bilder geschwärzt werden
4. Geringe Zeichnung bei 0,1 Dichte über Schleier – ein kritischer Wert zur Bestimmung der realen Empfindlichkeit
5. Steil ansteigender Kurvenverlauf in den Mitteltönen, mit teils überzeichneter Lichterzeichnung
6. Unsere Fuji Frontier Scanner ziehen den Film aufgrund des glasklaren PET Trägers nicht ein; der Film wird nicht erkannt. Ist ein Scan über den Frontier gewünscht, ist dies nur voll-manuell möglich. Der Fuji Scan zeigt weniger Auflösung und die weißen Flecken sind kaum sichtbar.
Fazit und Empfehlung
Alle Filme dieser Gattung mit glasklarem PET Träger verursachen im Labor einen nicht unerheblichen Mehraufwand. Diese Filme werden wir nach Stundensatz abrechen und nicht zu unseren Pauschalpreisen.
Stattdessen empfehlen wir für Anwendungen, die eine niedrige Empfindlichkeit und feinste Tonalität erfordern, folgende Alternativen für unseren Standardprozess zu Pauschalpreisen:
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Ilford Pan F 50 – klassischer Film mit exzellenter Auflösung und neutraler Tonwertwiedergabe
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Kodak TMax 100 – technisch herausragender Film mit besonders glatten Tonwertverläufen und feinem Korn; bei uns messbar mit knapp 80 ASA, problemlos auch auf 50 ASA belichtbar
Die genannten Alternativen (Ilford Pan F 50, Kodak TMax 100, Ilford Delta 100) verstehen sich ausdrücklich als Empfehlungen für unseren eigenen Laborprozess bei MeinFilmLab und stellen keine allgemeingültige oder objektive Bewertung der Filme dar.
Beide Filme liefern in unserem Laborprozess exzellente Ergebnisse in Scan und Print – ganz ohne Anpassung unserer Verarbeitungskette.
Der TMax 100 zählt mit zu den technisch besten Filmen, die derzeit produziert werden. Er zeigt die Auflösungsleistung aller Leica-Objektive in beeindruckender Deutlichkeit – und ist insbesondere im Zusammenspiel mit lichtstarken Objektiven wie dem Noctilux hervorragend geeignet. Seine herausragende Qualität geht einher mit einer bemerkenswert einfachen Handhabung. Etwas mehr Charakter in Korn und Zeichnung bietet der Ilford Delta 100 – ein Film mit voller Empfindlichkeit von 100 ASA, der allerdings eine präzise Belichtung erfordert.
Alle genannten Empfehlungen – mit vielen Bildbeispielen, Anwendungstipps und weiterführenden Hinweisen – finden Sie ausführlich dargestellt in unserem Filmratgeber.
Unsere Unabhängigkeit – bewusst, unbeeinflusst und unbezahlbar
Alle hier gemachten Aussagen beruhen auf eigenständig durchgeführten Tests unter eigenen und kontrollierten Laborbedingungen bei MeinFilmLab. Labor- und Leicaausrüstung ist Eigentum von MFL und wurde nicht gesponsert. Wir arbeiten vollständig unabhängig von Herstellern, Magazinen oder Werbepartnern. Unsere Empfehlungen leiten sich ausschließlich aus praktischer Erfahrung, objektiver Messung und fotografischer Anwendung ab und haben nur für unseren betriebsinternen Ablauf Gültigkeit.
Jörg Bergs, Gründer von MeinFilmLab, fotografiert seit Ende der 1980er-Jahre konsequent analog und kennt die Entwicklung des Filmmarkts aus eigener Anschauung. Seine Haltung ist klar: Nur wer unabhängig bleibt, kann verlässlich beraten – auch wenn das bedeutet, nicht überall mit Applaus rechnen zu dürfen.
Hinweis: Diese Einschätzung basiert auf öffentlich zugänglichen technischen Daten sowie unabhängigen Community-Quellen und auf eigenen Tests in unserem Labor. Sie stellt keine gesicherte Aussage zu vertraglichen Vereinbarungen zwischen Leica und potenziellen Produzenten dar. Die genannten Marken sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Der Artikel gibt unsere fachliche Einschätzung wieder, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder rechtlich verbindliche Aussagen.
[1] Vgl. [PetaPixel](https://petapixel.com/2025/08/08/leica-monopan-50-review-is-it-just-re-boxed-adox-hr-50/),
[ProVideo Coalition](https://www.provideocoalition.com/monopan-50-the-first-true-leica-35-mm-film/),
[Leica Rumors](https://leicarumors.com/2025/08/07/leica-monopan-50-film-announcement.aspx),
[The Verge](https://www.theverge.com/2025/8/8/leica-monopan-50-film-announced),
[Photrio Forum](https://www.photrio.com/forum/threads/leica-monopan-50-vs-adox-hr-50.198765/).
Nachfolgend Bildspiele aus unserem Test des Adox HR-50, gescannt in XL.
Bild: Sophia Hofmeister