Maximilian Heinrich - Künstlerinterview - Mein Film Lab

Heute im Interview der Künstler Maximilian Heinrich. Er ist begeistert von Büchern, Musik, Fotografie und dem Internet.

Er arbeite zurzeit bei der Virtual Identity AG in München. In seiner Freizeit ist er ein Porträt-, Mode- und Straßenfotograf. Dabei bevorzugt er Schwarzweißfilme der bekannten Hersteller Kodak und Ilford, meist im Mittelformat.

Max, legen wir los 🙂

1. Was sind deine Inspirationen für ein Shooting?

Typische Inspirationsquellen sind bestimmte Kleidungsstücke, Locations oder Gesichter und natürlich Arbeiten anderer Fotografen. Manchmal genügt das Blättern in einem Fotobuch oder zufällige Entdecken eines besonderen Orts während eines Fotowalks um eine zündende Idee für ein Shooting zu haben.

Aus meiner Sicht beginnt dann die Arbeit, also der Weg von der ersten Idee über ein Konzept, die Modelauswahl, zahlreiche kleine und größere Entscheidungen bis hin zum fertigen Bild.

2. Erläutere ein wenig den Ablauf deines Shootings

Der Ablauf eines Shoots hängt natürlich stark von der angestrebten Fotostrecke sowie dem Setting ab. Mittlerweile konzentriere ich mich auf möglichst anspruchsvolle (und für mich fordernde) Sets um mich voranzubringen. Das bedeutet auch, dass immer häufiger professionelles Hair & Makeup im Spiel ist und viel Zeit und Energie in die Vorbereitung eines Shoots fließt.

Während des Shoots konzentriere ich mich auf zwei Dinge: gute, lockere Atmosphäre und Umsetzung meiner Vision auf ruhige aber bestimmte Art. Wenn dabei spontan kreative Möglichkeiten oder Abweichungen aufkommen, versuche ich darauf natürlich einzugehen. Im Umkehrschluss versuche ich zu vermeiden, mich lange mit meinem Equipment aufzuhalten und die Atmosphäre dadurch zu gefährden. Ich packe meine Models ein wenig in Watte, fordere sie aber dann gezielt heraus um etwas Besonderes zu kreieren. Das gelingt manchmal schon sehr gut, manchmal aber zugegebenermaßen auch noch nicht. Besonders wichtig aus meiner Sicht: Während des Shoots sollte man den Prozess genießen und nicht nur ans Ergebnis denken. Diese Haltung wird durchs analoge Fotografieren natürlich besonders gestärkt, da es gar keine Möglichkeit gibt, zwischendrin mit einem Auge auf das Ergebnis zu schielen. Im besten Fall entsteht eine magische Stimmung zwischen mir und meinem Model, alles andere verschwindet.

3. Mit welchen Models arbeitest du zusammen?

Mädchen von der Straße, spontane Entdeckungen auf Instagram, angehende Models von Agenturen wie Munich Models aber auch ambitionierte Hobby-Models von TFP-Börsen auf Facebook (time for print). Bis jetzt ist eigentlich alles dabei und ich habe zum Glück kaum schlechte Erfahrungen gemacht.

4. Welches Konzept verfolgst du?

Bisher noch keines. Versuche mich kontinuierlich weiter zu entwickeln und Neues auszuprobieren und zu entdecken. Dabei hilft mir mein kleiner YouTube-Kanal und das Feedback aus der Film Community sehr. Dadurch werde ich regelmäßig herausgefordert und ich erschließe mir neue Techniken und Methoden. Zudem werde ich auf Fotografen aufmerksam, die ich andererseits vielleicht gar nicht (oder nicht so früh) entdeckt hätte.

5. Was ist wichtig an deiner Filmauswahl?

Habe mich anfangs recht systematisch durch die noch verfügbaren Filme gearbeitet und schrittweise gelernt, was ich wofür gut einsetzen kann. Da mein Fokus auf Porträts und Street Photography liegt, finden sich in meiner engeren Auswahl natürlich zahlreiche Klassiker wie Kodak Portra 400 oder Kodak Tri-X wieder. Ich versuche jedoch stets, meine Filmauswahl bewusst auf die intendierte Stimmung eines Sets abzustimmen, also dafür zu sorgen, dass Licht, Film, gewählte Kamera und Intention des Sets zusammenpassen. Das braucht aus meiner Sicht etwas Erfahrung, ist aber mitunter einer der spannendsten Aspekte an der Filmfotografie. So bekommt man beispielsweise einen „Pastel“-Look ja nicht allein vom Überbelichten eines Portras, sondern benötigt auch das passende Licht. Wenn das Licht nicht mitspielt, kann es sinnvoller sein, eine andere Eigenschaft desselben Films zu wählen und ihn etwa punktgenau zu belichten oder sich sogar für einen anderen Film zu entscheiden. Genau diese kreativen Möglichkeiten schätze ich an der analogen Fotografie sehr.

6. Zur Technik: Welches Equipment benutzt du?

Ich fotografiere vorzugsweise mit Mittelformatkameras von Mamiya und Hasselblad. Besitze eine Mamiya RZ67 Pro II sowie eine Mamiya 645 Pro TL, die ich beide sehr liebe. Nutze zudem regelmäßig die Hasselblad 501 CM meines Kumpels Jules und spare derzeit auf eine eigene Hasselblad. Im Bereich Kleinbild bin ich wahnsinnig gerne mit meiner Leica M6 für klassische Street Photography in den Straßen Münchens unterwegs. Für Porträts nutze ich die Minolta XD-7 meines Vaters sowie eine Canon 30V. An der Minolta schätze ich die zahlreichen preiswerten aber hochwertigen und teilweise legendären Objektive. Die Canon ist dann Gold wert, wenn es etwas schneller und automatischer vonstatten gehen soll. Bin regelmäßig beeindruckt, welch Qualität sich mit modernen Canon-Optiken und einem analogen Body aufs Kleinbildnegativ zaubern lässt.

7. Warum überzeugt dich die Arbeit auf Film?

Die analoge Fotografie bringt mich dazu, viel bewusster über ein Foto nachzudenken bevor ich den Auslöser drücke. Dieses Ausbremsen und „Kopf aktivieren“ liebe ich und es macht mich Schritt für Schritt zu einem besseren Fotografen.

Zudem mag ich, dass ich viele gestalterische Entscheidungen treffen muss bevor ich das Foto schieße und nicht erst danach. Auch das löst bei mir eine bewusstere und verantwortungsvollere Auseinandersetzung mit meinem Konzept und Subjekt aus.

Mittlerweile schätze ich auch das selbst entwickeln (zumindest bei SW-Film) und Feinjustieren von Scans. Der Dynamikumfang eines sauber belichteten und entwickelten Schwarzweißfilms löst bei mir in der Postproduktion richtige Freudensprünge aus. Mit derartigen Nuancen in den Graustufen können aus meiner Sicht sonst nur digitale Dateien aus einer Leica M Monochrom mithalten. Für diese Gestaltungsmöglichkeiten liebe ich Schwarzweißfilm, insbesondere bei Porträts.

Ich arbeite mittlerweile fast ausschließlich auf Film, nur für ausgewählte Projekte greife ich zusätzlich zu meiner digitalen Leica. Doch selbst hier setze ich auf manuelle Objektive (meistens ein Leica Summicron aus meinem Geburtsjahr 1985) und versuche die Ruhe des analogen beizubehalten. Ein Model meinte kürzlich zu mir: „Du fotografierst digital fast genauso wie analog.“ Ich empfinde das als großes Lob.

8. Wo kann man deine Bilder sehen oder kaufen?

Einen Einblick in mein Portfolio gibt es auf www.maxplusone.net. Zudem betreibe ich gemeinsam mit meinem Kumpel diesen YouTube-Kanal auf Englisch. Hier gibt es regelmäßig Gear Reviews, Analog Insights (beispielsweise Nachtfotografie auf Film) oder Stories behind the Shoot, in denen ich das „Making of“ sowie konzeptionelle Überlegungen einer Fotostrecke aufschlüssele. Würde mich sehr freuen, wenn ihr mal vorbeischaut.

Links:

www.maxplusone.net

https://www.instagram.com/maxplustwo/

https://www.youtube.com/channel/UCEsIPHfiX6UpomrXTrdq67Q

Danke für das Interview Max! Abschließend zeigen wir eine sehr schöne Auswahl deiner Bilder:

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